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Aus Liebe zum Leben
 – Wie wir das Schicksal unseres Kindes annahmen

cover“In diesem intimen Zeugnis behandelt Annemarie ein wichtiges gesellschaftliches Thema mit Nüchternheit und Klarheit, trotz des Leidens und des Zorns, die sie antreiben. Bewundernswert!“ Philippe Pozzo di Borgo, der „echte“ Philippe aus dem Erfolgsfilm „Ziemlich beste Freunde“ (2011)

Ein Aufreger in den holländischen Medien: Die Journalistin Annemarie Haverkamp bricht mit ihrem aufrichtigen Buch „Dolgelukkig zijn wij” ein Tabu. Sie stellt als Mutter „brutal ehrlich”, wie die Presse schreibt, die Frage nach Leben oder Tod ihres neugeborenen Kindes: Muss ein Kind – egal wie schwer seine Behinderung ist, wie groß die Schmerzen, wie groß das Leid – leben? In Deutschland ist das Buch jetzt unter dem Titel „Aus Liebe zum Leben” bei Weltbild erschienen.

2004: Nach der Geburt ihres Babys sitzen Annemarie und ihr Freund Bart wie betäubt im Kreissaal. Allein mit ihren Ängsten, ihr Kind wurde schnellstens weggebracht. Annemaries Schwangerschaft verlief perfekt, nie hätte die damals 28-jährige damit gerechnet: Ihr Sohn kommt schwerstbehindert zur Welt. Sein Kopf hat die Form einer Birne, seine Stirn läuft spitz zu, sein Körper ist schlaff, seine Füße missgebildet, sein Herz arbeitet nicht richtig. Er hat eine seltene Chromosomenabweichung und niemand weiß, ob er die ersten Lebenstage überstehen wird.

Als die Eltern sich von dem ersten Schock erholt haben, stellen sie sich selbst und den Ärzten unbequeme Fragen: Haben wir das Recht, dieses Kind bedingungslos am Leben zu halten, ihm unzählige Operationen und medizinische Behandlungen zuzumuten? Oder dürfen, ja müssen wir es loslassen, gerade weil wir es so sehr lieben? Ist alles, was medizinisch machbar ist, auch richtig? Wer hat das Recht, darüber zu entscheiden? Die Eltern oder die Ärzte? Und wer hilft uns bei unserer Entscheidung?

Interview: Bob van Huët (Auslandschef der DPD De Persdienst)

Ihr Baby wurde unerwartet mit einer seltenen Chromosomenabweichung geboren. Warum denken Sie war das Medieninteresse für ihr Buch in Holland so groß?

Foto: Anja van Wijgerden

Foto: Anja van Wijgerden

Es ist ein ehrliches Buch. Das hat man mir zumindest oft gesagt. Sogar „brutal ehrlich“ oder „konfrontierend ehrlich“ wie die Presse schrieb. Das hat mit der grundsätzlichen Erwartung von Mutterliebe zu tun, wenn ein Kind geboren wird. Eine Mutter darf an der Existenz ihres Kindes nicht zweifeln. Es ist ein riesiges Tabu zu denken, dass das Kind mit all seinen geistigen und physischen Problemen vielleicht eigentlich besser nicht sein sollte. Die Menschen erwarten, dass Mütter ihre Kinder einfach in ihre Arme schließen. Ich glaube nicht, dass Mütter und Väter nicht starke innerliche Zweifel haben bei dem Gedanken, welches Leben ihr schwerbehindertes Kind haben wird. Ich habe es aufgeschrieben wie es war.

Das Thema ihres Buches ist in Deutschland wohl noch sensibler als in Holland.
Ja, ich denke schon, denn wenn Sie diese Meinung haben, wird das direkt mit Euthanasie verbunden und damit, was im zweiten Weltkrieg geschah. Kindern mit Behinderungen wurde damals angeblich geholfen, aber das hieß, dass man sie tötete, weil das „besser“ für alle war. Das ist ein sehr gefährlicher Gedankengang. Ich möchte mit meinem Buch zur gesellschaftlichen Debatte darüber in Deutschland beitragen. Ich glaube aber nicht, dass man der Diskussion wegen einem Kriegs-Trauma aus dem Weg gehen sollte.

Denn das Thema Liebe zum Leben ist immer aktuell. Nicht nur bei Kindern, sondern auch bei älteren Menschen, die selber nicht mehr weiterleben wollen.
Das klingt ziemlich schwer, ihr Buch liest sich aber wie eine Familiengeschichte. Es gibt Tragik, aber es wird auch oft gelacht.
Es ist eine wahre Geschichte. Es war die schwierigste Zeit meines Lebens und dem meines Mannes. Aber es gab nicht nur Elend. Es geht auch um die intensive Liebe für meinen Sohn und wie sich meine Muttergefühle entwickelten. Darüber hinaus gibt es Humor, weil der dazu beiträgt das ganze erträglich zu machen. Als wir fürchteten, dass unser Kind Trisomie 18 haben könnte, was eine  schwerwiegende Chromosomenstörung ist, woran Kinder innerhalb eines Jahres sterben können, dachten wir, dass der Arzt zu uns gesagt hätte: Ihr Kind hat „Tiramisu“. Wir wagten es nicht jemanden darüber zu informieren, denn wenn dein Kind an Tiramisu leidet, nimmt dich doch keiner mehr ernst.”

Über Annemarie Haverkamp:

Annemarie Haverkamp ist 39 Jahre alt. Völlig unerwartet kam 2004 ihr Sohn Job schwer behindert auf die Welt. Als sie sich von dem Schrecken erholt hatte, beschloss Annemarie, in der Zeitung De Gelderlander eine Kolumne über Job zu schreiben. Weil sie der Außenwelt gerne zeigen möchte, wie es wirklich ist, das alltägliche Leben mit einem behinderten Kind.

Annemarie Haverkamp hat kulturelle Anthropologie studiert, als Journalistin bei De Gelderlander gearbeitet, war Chefin des Magazins Luxity und ist jetzt Chefredakteurin der Universitätszeitung Vox. Außerdem schreibt sie als freiberufliche Journalistin für u.a. die niederländische Zeitungen NCR und nrc. next. Neben regelmäßigen Gastauftritten als Expertin in Radio- oder Fernsehsendungen, hält sie Lesungen über ihr Leben mit Job.

Die Kolumnen, die Annemarie Haverkamp auch jetzt noch schreibt, sind gesammelt in drei (niederländischen) Büchern erschienen. Ende 2013 erschien der letzte Sammelband: Jarige Job (Job hat Geburtstag).

Über Annemaries Sohn Job:

ontsnaptJob ist heute zehn Jahre alt. Er wurde mit einer seltenen Chromosomenabweichung geboren. Wie er sich entwickeln wird, weiß niemand. Job kann weder stehen noch laufen und spricht auf seine eigene Art und Weise. Job wurde schon sieben Mal operiert. Oder acht mal. Seine Mutter hat aufgehört zu zählen.

Job geht in eine Schule für Kinder mit einer geistigen und/oder körperlichen Einschränkung. Eigentlich lacht Job immer, außer wenn er krank ist. Am liebsten liest Job den ganzen Tag Bücher und er badet gerne. Job hat die schöne Gabe, dass große Menschen augenblicklich dahin schmelzen, wenn sie ihn treffen.

Die holländische Presse über „Aus Liebe zum Lebe”:

Unwahrscheinlich ehrlich. Ein Buch, das dich trifft wie ein Hammerschlag.“ Redaktion LINDA (größtes Magazin der Niederlande)

„Ein schönes Buch, das mich sehr getroffen hat. Nicht nur als Mutter, sondern auch als Schriftstellerin. Annemarie Haverkamp hat den richtigen Ton getroffen für diese herzzerreißende Geschichte. Direkt, ehrlich und auf schmerzliche Weise humorvoll.“ Judith Koelemeijer

„Beeindruckend, es gibt kein anderes Wort dafür.” NRC.next „Ein konfrontierendes Buch, nichtsverhüllend, geschrieben in einem direkten Stil.“ Trouw

„Schmerzhaft ehrlich.“ de Volkskrant

„Eine kurze und klare Geschichte über einen tiefen Schnitt im Leben.” Het Parool

„Annemarie Haverkamp schreibt rührend und ehrlich.“ Magazin Red

Ein herzergreifendes Buch.” De Gelderlander

„Lesen Sie diese herzzerreißende Geschichte, wie die Eltern langsam lernen mit ihrem behinderten Sohn zu leben.” Psychologie Magazine

Weitere Informationen:

bijPenWApril 2014: TV-Auftritt in der Talkshow Pauw & Witteman zur Einführung des nicht-invasiven Pränataltests (NIPT) in den Niederlanden. Damit lässt sich die Erbinformation des ungeborenen Kindes bereits von der 12. Woche an analysieren. Annemarie Haverkamp vertritt einen entschlossenen Standpunkt: Hätte es diesen Test vor 10 Jahren gegeben, wäre ihr Kind heute nicht geboren.

Annemarie Haverkamp:
 Aus Liebe zum Leben
 Weltbild, 9,99 Euro
 226 Seiten, 14,3 x 22 cm, hochw. Broschur Weltbild Bestellnr. 5764698

 

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